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KlangrestaurierungUm historische Tondokumente auf den Stand der heutigen Digitaltechnik zu bringen, bedarf es nicht nur eines speziellen Bearbeitungsprogramms mit adaptiven Filterfunktionen, sondern auch weitreichender Kenntnisse in die historische Schallaufzeichnung. Jedes bei uns angelieferte Tondokument wird zunächst in einen optimalen Zustand versetzt: Schallplatten werden gereinigt, Tonbänder auf schadhafte Stellen und gealterte Klebestellen (Schnitte) untersucht, Kassetten ggf. umgespult und in ein neues Gehäuse gezogen. Erst wenn der angelieferte Tonträger optimal vorbereitet ist, wird auf dafür optimierten (teilweise historischen!) Geräten die Überspielung vorgenommen. Natürlich gibt es dann auf dem Computermarkt "All-In-Wonder Refreshment Tools", die versprechen, aus jeder verrauschten und verknisterten Aufnahme bestklingende Klangdateien zu machen. Damit Ihnen Enttäuschungen erspart bleiben, hier einige Hinweise, warum es so nicht funktionieren kann. 1. Rauschen Um ein adaptives Filter unter Zuhilfenahme der Fast Fourier Transformation (FFT) optimal einsetzen zu können, ist es deshalb notwendig, bei jedem zu entrauschenden Titel einen eigenen, individuellen "Fingerabdruck" des Rauschteppichs zu erstellen. Das können nur professionelle Programme und ist mit Arbeit verbunden. Das von uns verwendete Verfahren erstellt nicht nur diese Rauschanalyse, sondern kann zusätzlich auf die speziellen Eigenschaften des Nutzsignals eingestellt werden. So können wir mit möglichst wenig Klangbeeinflussung möglichst viel Rumpeln und Rauschen von der Aufnahme entfernen. 2. Knistern &
Knacken Obendrein sind die meisten Schallplatten aus hochisolierendem Kunststoff gefertigt, was die statische Aufladung der Plattenoberfläche durch Reibungselektrizität zur Folge hat. Da der Tonabnehmer sich jedoch auf Erdpotenzial befindet, entstehen beim Abspielen viele kleine Entladungen, die ein typisches Nadelknistern hervorrufen. Neben der sicheren Erkennung all dieser Störungen - die wieder individuell für jeden Tonträger anders eingestellt werden muss - ist zu bedenken, dass Störungen dieser Art das originale Tonmaterial komplett ersetzen. Das bedeutet, an der Stelle des Knacksers gibt es keine Musik mehr! Nun kann man natürlich das Programm veranlassen, einfach die erkannten Knackser rauszuschneiden oder stumm zu schalten. Beides führt aber ein den seltensten Fällen zu brauchbaren Ergebnissen. Der von uns verwendete Decrackler und Declicker rekonstruiert an den Störstellen nach Möglichkeit die Musik mit unterschiedlichen Algorithmen. Natürlich kann kein System auf der Welt Ihnen die originale Musik an den Störstellen wieder zurückbringen, auch wenn anderslautende Werbung Ihnen das verspricht. Es ist lediglich möglich, aus der Musik, die die Störstelle umgibt, auf das zu schließen, was sich unter dem Klick oder Plopp wahrscheinlich einmal befunden hat. Die von uns verwendeten Programme können im Gegensatz zu manch anderen Systemen jedoch auch extrem laute oder steilflankige Störungen sicher erkennen. Die Rechengenauigkeit in der Erkennung liegt bei 32 Bit, die bei der Rekonstruktion intern benutzte Rechentiefe liegt bei 80 Bit! Trotz aller Rechenkünste und begleitenden Maßnahmen kann der resultierende "nackte" Klang aus psychoakustischen Gründen manchmal enttäuschend sein. Deshalb sind oft zusätzliche Maßnahmen zu treffen: 3. Enhancement Deshalb kann es notwendig werden, beispielsweise den Frequenzgang durch behutsame Filterung zu begradigen. Zusätzlich haben alte Aufnahmen kaum Anteile hoher Frequenzen, obwohl dem Ohr diese Höhenanteile durch Rauschen vorgegaukelt werden. (Unser Gehirn entwickelt dabei durch Adaption eine blühende Fantasie!) Nimmt man dann das Rauschen weg, klingt die vorher "brilliante" Aufnahme plötzlich dumpf. Durch Filterung und behutsames Hinzufügen künstlicher Obertöne sowie Subharmonischer Grundtöne kann das Frequenzband einer historische Aufnahme geglättet und erweitert werden. Ein erfahrener Tonmeister bringt dabei neben der Beherrschung der Technik auch solide erlerntes "Handwerk" und geschulte Ohren mit in den Wiederherstellungsprozess ein. Nur so kann Ihre historische Aufnahme wieder in neuem Glanz erklingen. So kann aus dem Möglichen das Beste herausholt werden, gerade auch bei kommerziell genutzten Aufnahmen.
Olaf G. Günther,
Tonmeister (VDT)
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letzte Aktualisierung: Dienstag, 24. Juli 2007 |
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